Kurzmeldungen Frühjahr 2026

Von: Eva Scheerer

Algerisch-französischer Schriftsteller Boualem Sansal begnadigt

Der algerisch-französische Schrift-steller und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Boualem Sansal, wurde am 11. November 2025 vom algerischen Staatspräsidenten begnadigt. Sansal war im November 2024 bei seiner Rückkehr aus Frankreich am Flughafen von Algier festgenommen und wegen seiner Regimekritik inhaftiert worden. In einem Interview hatte er geäußert, dass die marokkanischen Staatsgrenzen während der französischen Kolonialzeit zugunsten Algeriens verschoben worden seien. Die Begnadigung erfolgte auf Bitte des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der auf das hohe Alter und die Krebserkrankung des Schriftstellers hingewiesen hatte. In der Ausgabe Winter 2025/2026 berichteten die ANKLAGEN über eine Veranstaltung beim Tübinger Bücherfest im September 2025, bei der Sansals Freilassung gefordert worden war. Todesstrafe für iranische Menschenrechtsverteidigerin in 30-jährige Haftstrafe umgewandelt

Am 29. Oktober 2025 teilte der Anwalt der iranischen Menschenrechtsverteidigerin Sharifeh Mohammadi auf der Plattform X mit, dass ihr Todesurteil aufgehoben und stattdessen eine 30-jährige Haftstrafe verhängt worden sei. Amnesty International begrüßt, dass Mohammadi nun nicht mehr unmittelbar von der Hinrichtung bedroht ist, fordert aber weiterhin ihre sofortige und bedingungslose Freilassung. Im Juni 2024 war die Arbeitsrechtlerin, Feministin und Gegnerin der Todesstrafe wegen angeblicher „bewaffneter Rebellion gegen den Staat“ (baghi) zum Tode verurteilt worden.

Iranische Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi erneut festgenommen

Seit dem 12. Dezember 2025 ist Narges Mohammadi wieder in Haft. Sie erhielt 2023 den Friedensnobelpreis für ihren Kampf gegen die Todesstrafe und die Unterdrückung von Frauen sowie für ihren Einsatz für Menschenrechte und Freiheit. Mohammadi wurde im Anschluss an ihre Rede bei einer Gedenkveranstaltung für den unter un- geklärten Umständen verstorbenen Menschenrechtsanwalt Chosrow Alikordi festgenommen. Sie soll bei der Festnahme schwer misshandelt worden sein. Zuvor hatte sie eine langjährige Haftstrafe im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran verbüßt. Anfang Dezember 2024 erhielt sie aus gesundheitlichen Gründen einen vorübergehenden Hafturlaub. Die jetzige Inhaftierung ist bereits ihre vierzehnte. Im Februar 2026 wurde sie zu weiteren siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt, doch Mohammadi ist weiter entschlossen zu kämpfen.

Belarus: Oppositionelle begnadigt

In den vergangenen Monaten kamen in Belarus mehrere politische Gefangene frei: Im Juni 2025 wurden 14 Inhaftierte freigelassen und nach Litauen gebracht, darunter der prominente Oppositionsführer Sergej Tichanowski. Im September 2025 folgte die Freilassung von rund 52 politischen Gefangenen, darunter Aktivisten, Journalisten und ausländische Staatsbürger. Mitte Dezember 2025 wurden der Friedensnobelpreisträger und Vorsitzende des belarussischen Menschenrechtszentrums Viasna, Ales Bialiatski, die Musikerin und Oppositionspolitikerin Maryia Kalesnikava sowie weitere 121 Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten aus der Haft entlassen. Ende Dezember begnadigte die belarussische Führung weitere 22 politische Gefangene.
Als zentraler Grund für die Freilassungen gilt internationaler politischer Druck, insbesondere aus den USA. Im Gegenzug hebt Washington einzelne Sanktionen gegen Belarus auf oder lockert sie. Trotz dieser Begnadigungen bleibt die Repression in Belarus massiv: Regierungskritik wird weiterhin mit willkürlicher Haft, unfairen Verfahren und Misshandlungen geahndet. Mehr als 1.000 politische Gefangene sitzen nach wie vor im Gefängnis.

Saudische Doktorandin Salma al-Shehab aus der Haft entlassen

Salma al-Shehab, saudische Doktorandin der Universität Leeds und Mutter zweier Kinder, wurde im Februar 2025 aus dem Gefängnis entlassen. Im Januar 2021 war sie während eines Besuchs in Saudi-Arabien festgenommen worden und im August 2022 wegen terrorismusbezogener Vorwürfe zu 34 Jahren Haft mit anschließendem 34-jährigem Reiseverbot verurteilt worden. Sie hatte auf ihrem Account Tweets für Frauenrechte veröffentlicht. Die Strafe wurde mehrfach reduziert. Es ist unklar, ob nach ihrer Freilassung noch Einschränkungen wie ein Reiseverbot oder andere Auflagen bestehen.

Tunesische Anwältin Sonia Dahmani unter Auflagen freigelassen

Die tunesische Anwältin Sonia Dahmani, die auch als TV- und Radiokommentatorin bekannt ist, setzt sich seit vielen Jahren für Menschenrechte ein und thematisiert Rassismus sowie die Zustände in tunesischen Gefängnissen. Sie wurde wegen angeblicher „Verbreitung falscher Nachrichten“ verurteilt; weitere politisch motivierte Verfahren folgten. Insgesamt drohten ihr jahrzehntelange Haftstrafen. Dahmani war über anderthalb Jahre unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert – unter anderem mit Ratten in der Zelle und ohne angemessenen Zugang zu Medikamenten und medizinischer Versorgung. Anfang Dezember 2025 wurde sie dank des anhaltenden Drucks aus Tunesien und der internationalen Gemeinschaft, auch im Rahmen des Amnesty-Briefmarathons 2025, unter Auflagen freigelassen. Die gegen sie erhobenen Anklagen bestehen jedoch weiterhin, und die Behörden üben nach wie vor Druck auf sie aus.