
Liebe Freundinnen und Freunde,
im Dezember 2025 veröffentlichte Amnesty International den Bericht „Targeting Civilians – Murder, Hostage-Taking and Other Violations by Palestinian Armed Groups in Israel and Gaza“ 1 – eine umfassende Untersuchung und Bewertung der Gräueltaten palästinensischer bewaffneter Gruppen unter Führung der Hamas im Süden Israels am 7. Oktober 2023 und der Misshandlung der anschließend nach Gaza verschleppten Geiseln.
Für die Analyse wurden 70 Personen befragt: Überlebende der Anschläge, Angehörige der Opfer, Forensiker, Mediziner, Therapeuten, Rechtsanwälte und Journalisten. Das Rechercheteam besuchte etliche Anschlagsorte und sichtete über 350 Videos und Fotos.
Etwa 1.200 Menschen wurden bei den Massakern getötet, darunter über 800 Zivilisten und 36 Kinder. Die Opfergruppe umfasste vor allem jüdische Israelis, aber auch beduinische Staatsbürger Israels sowie ausländische Arbeitsmigranten, Studierende und Asyl- suchende. Mehr als 4.000 Menschen wurden verletzt und über 250 Geiseln nach Gaza entführt. Hunderte zivile Gebäude wurden zerstört oder unbewohnbar gemacht.
Die Analyse der Angriffsmuster, des Beweismaterials und der Kommunikation zwischen den palästinensischen Tätern zeigt, dass die Angriffe systematisch auf Zivilpersonen und zivile Orte gerichtet waren, etwa auf Wohnhäuser oder auf die Menschen beim Nova-Musikfestival. Die Täter erhielten gezielt Anweisungen, Zivilisten anzugreifen. Damit wird die Aussage der Hamas-Führer widerlegt, ihre Kämpfer hätten lediglich militärische Ziele treffen sollen. Auch die Behauptung der Hamas, die Geiselnahmen seien ungeplant gewesen und von Zivilpersonen aus Gaza verübt worden, wird im Bericht widerlegt.
Amnesty International belegt mit umfangreichem Beweismaterial, dass die Hamas und verbündete palästinensische Gruppen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, darunter „Mord“, „Ausrottung“, „Inhaftierung oder andere schwere Freiheitsberaubung unter Verletzung grundlegender Regeln des Völkerrechts“, „Verschwindenlassen“, „Folter“, „Vergewaltigung oder jede andere Form sexualisierter Gewalt von vergleichbarer Schwere“ sowie „andere unmenschliche Handlungen“.
Der über 170 Seiten zählende Bericht dokumentiert detailliert die begangenen Verbrechen. Zudem flossen Aussagen der letzten lebenden israelischen Geiseln ein, die erst im Oktober 2025 aus der Gefangenschaft der Hamas freigekommen sind. Der wiederholt geäußerte Vorwurf, Amnesty habe zu lange für die Veröffentlichung gebraucht, ist angesichts der umfangreichen Recherchearbeit während des unmittelbar auf die Anschläge folgenden Israel-Gaza-Kriegs nicht haltbar. Bereits zuvor hatte die Organisation in Kurzberichten und anderen Publikationen die seit dem 7. Oktober 2023 unter der Führung der Hamas begangenen Gewalttaten verurteilt.
Bis heute wurden keine Verantwortlichen und Täter juristisch zur Rechenschaft gezogen. Amnesty fordert Gerechtigkeit für die Opfer und deren Familien sowie Rechenschaftspflicht vor internationalen Gerichten. Die Dokumentation bildet eine wichtige Grundlage dafür.
Eva Scheerer
